Lebenslauf

Meine alte Welt war mir zu klein. Doch die Gipfel schenkten mir den Blick in die Weite. Die Ruhe wappnete mich für ein intensives Leben. Hielt meinen Geist rein für neue Gedanken. Aus dem Ziegenhirt wurde ein König. Aus dem Bauernjungen ein Weltenbummler. Statt Ziegen zu hüten bewirtete ich die Mächtigen. Ich erfand die Gastfreundschaft neu. Nur – in die Wiege gelegt wurde mir dies in einem Bergtal. Dahin zog es mich für die Ewigkeit zurück. Denn ich bin Cäsar Ritz.

GEBURTSORT

Niederwald auf 1221 m ü. M. ist eine der unberührtesten und charaktervollsten Siedlungen im Goms. Da Niederwald teilweise in übereinander aufgereihten Zeilen an einem Steilhang aufsteigt, ergibt sich bei der engen Bauweise des Haufendorfes eine sehr wirkungsvolle Staffelung der Giebel. Wie wenn der Dorfplatz hinaus an den Rand des dichten Dorfes gedrängt worden wäre, umschliessen hier neben Nutzbauten einige prachtvolle Wohnhäuser zur Hälfte den Platz mit dem Cäsar Ritz Brunnen, welchen Monique Ritz - Schwiegertochter von Cäsar Ritz und letzte Vertreterin der Ritz-Dynastie - dem Dorf Niederwald schenkte. Wer denkt bei dem Namen Hotel «Ritz» schon an ein kleines Gommer Dorf mit dem Namen Niederwald? Und doch wurde der berühmte Cäsar Ritz, dessen Name Nobelhotels auf der ganzen Welt ziert, in Niederwald geboren. Niederwald, welches zu Cäsar Ritz' Jugend etwas mehr als hundert Einwohner zählte, war ein sehr kleines Gemeinwesen und ist es bis heute geblieben. Immer noch zu sehen gibt es das Geburtshaus von Cäsar Ritz, welches bis zum heutigen Tag immer bewohnt blieb.

JUGENDJAHRE

Cäsar Ritz erblickte am 23. Februar 1850 in Niederwald im Goms das Licht der Welt. Cäsar Ritz war das dreizehnte und jüngste Kind von Anton und Kreszentia Ritz-Heinen, ein Gommer Bergbauernbub wie alle anderen auch und doch war er ein ganz besonderer Knabe.
Seine Mutter glaubte bei ihm schon früh eine feine künstlerische Ader zu spüren - zu einem Zeitpunkt, wo noch niemand dachte, dass aus dem aufgeweckten Jungen einst der «König der Hoteliers und Hotelier der Könige» würde. Als 14-Jähriger verliess er erstmals das heimatliche Dorf und besuchte in Sitten eine französischsprachige Schule.
Als Cäsar Ritz zu wenig Einsatz und Dankbarkeit zeigte, schickte ihn sein Vater nach Brig ins «Hotel Couronne et Poste» in eine Kellnerlehre, wo sein erster Kontakt mit dem Gastgewerbe jedoch bald von klaren Worten des Patrons überschattet wurde: «Aus dir wird nie ein rechter Hotelier!» (Zitat: Joseph Escher, ehemaliger Direktor Hotel «Couronne et Poste» in Brig).

LEHR- UND WANDERJAHRE

Fernweh
«Schritte in die Welt hinaus, mit Flügeln im Geist und brennender Sehnsucht im Herzen.» (Zitat: Raymond Wirthner). Der Duft von Abenteuer im geschäftigen Treiben des Städtchens Brig faszinierte Cäsar Ritz und lockte ihn in eine neue Welt.
Es war 1867 der Reiz der Weltausstellung in Paris, der ihn wegtrieb. Im «Hôtel de la Fidélité» fand er eine Stelle als Kellner, erhielt bald den Ruf als «César le rapide» und erregte jedoch auch mit viel zerschlagenem Geschirr Aufsehen.
In verschiedenen anderen Betrieben arbeitete er sich vom Hilfskellner über den Oberkellner bis zum Leiter empor. Mit zarten 19 Jahren schien er einem Höhepunkt seiner Karriere bereits nahe: Im renommierten «Voisin» erlernte er die Gepflogenheiten der noblen Gesellschaft kennen und arbeitete erfolgreich.
Im «Voisin» lernte er auch die Geheimnisse der Kochkunst näher kennen, unentbehrli- ches Rüstzeug für einen späteren Hotelier. Hier traf er nämlich schon mit dem damals berühmten französischen Meisterkoch Auguste Escoffier (1846 - 1935) zusammen, der unter anderem das Dessert «Pêche Melba» kreierte. Auguste Escoffier begleitete Cäsar Ritz an viele wichtige Stationen seines beruflichen Lebens, wurde für ihn zu einem unentbehrlichen Mitarbeiter und Berater und schliesslich zu einem wahren Freund.
Bedingt durch den Deutsch-Französischen Krieg kehrte Cäsar Ritz 1871 nach Niederwald zurück. Paris liess ihn jedoch nicht los; bereits ein Jahr später hatte er im Luxushotel «Splendide» wieder eine Kellnerstelle angetreten und wurde bis zum Maître d'Hôtel befördert.
Anlässlich der Weltausstellung von 1873 in Wien erlernte er im Restaurant «Les Trois Frères Provençaux» den Umgang mit anspruchsvollen Gästen wie Monarchen, Diplomaten und Politikern. Unter all der Prominenz war eine Person, welche ihn wesentlich prägte: Der Prinz von Wales.

Künstler
Cäsar Ritz entschied sich für eine Arbeit in Saisonbetrieben. Im «Grand Hotel» in Nizza erhielt er bald den Posten des Restaurant-Managers. 1874 reiste Cäsar Ritz an den Vierwaldstättersee in die Sommerresidenz «Hotel Rigi Kulm». Dort, sowie später im Hotel «National» in Luzern, verblüffte er mit kreativen, ausgefallenen Ideen Gäste und Personal immer wieder von Neuem: Er funktionierte kupferne Blumenkessel zu richtigen Heizkörpern um, als die Heizung ausstieg, er liess für eine Hochzeit am Ufer des Sees beleuchtete Fontänen aufspringen oder bewahrte das «Grand Hotel National» vor dem finanziellen Aus, indem er dessen Angestellte zu Höchstleistungen motivierte.
Nach dem Wirken in verschiedenen Restaurants und Hotels wurde Cäsar Ritz vom Direktor des Hotel «National» mit folgenden Worten wieder nach Luzern geholt: «Ich habe Sie nicht vergessen, Sie sind mein Mann. Mein schönes Haus steckt in Schwierigkeiten. Sie werden es retten.» Cäsar Ritz nahm die Chance einer grossen Zukunft wahr. Gemeinsam mit Auguste Escoffier gestaltete Cäsar Ritz das Hotel zum Gesamtkunstwerk in dessen Mittelpunkt immer der Gast stand.

Begegnungen
In den 1880er Jahren war für Cäsar Ritz' Zukunft eine Begegnung von entscheidender Bedeutung: Er lernte die Hotelierstochter Marie-Louise Beck kennen, welche ihm von da an mit Liebe, grosser Einsatzbereitschaft und Beweglichkeit zur Seite stand. Sie schenkte ihm die beiden Söhne Charles und Réne Ritz.
Mit dem Kauf der Betriebe «Restaurant de la Conversation» in Baden-Baden und «Hôtel de Provence» in Cannes kam er dem Traum einer nach seinen Ideen und seinen Vorstellungen konzipierten Unternehmung einen Schritt näher. «Il donne à son hôtel tous les raffinements qu'un prince pourrait trouver dans sa propre résidence.» (Zitat: Louis Mettler). Er hatte das richtige Gespür und das nötige Glück - schon bald sorgten Gäste wie der deutsche Kaiser oder der italienische Ministerpräsident für Erfolge. Seine immer neuen, ausgefallenen Ideen brachten ihm Ansehen und hocherfreute Gäste.

Weitsicht
Cäsar Ritz genoss immer mehr Ruhm und Ansehen, er wusste Kritik positiv zu nutzen. Als er in London der Eröffnung des Hotels «Savoy» beiwohnte, bemerkte er in verschiedenen Bereichen fehlende Qualität. Kurz darauf schrieb der Hotelbetrieb rote Zahlen.
Ritz trat als Retter in letzter Not auf und verpflichtete sich zur Hälfte als Direktor des «Savoys», während er sich zur anderen Hälfte weiterhin den Betrieben in Baden-Baden und Cannes widmete.
Zusammen mit einer eingespielten Equipe entwickelte er im «Savoy» seine Philosophie weiter: Er legte grossen Wert auf die Einrichtung, schenkte dem Detail Aufmerksamkeit, kümmerte sich persönlich und individuell um die Gäste und organisierte aufwändige Feste. Das Hotel «Savoy» und Cäsar Ritz wurden damit zu Paradebeispielen, an denen man sich in Sachen Geschmack und Hotelierkunst orientierte.

Neuheiten
Die Metropole Rom verlangte 1891 nach dem Hotel aller Hotels. Das «Grand Hotel» sollte nach den Ansätzen des bereits weltberühmten Hoteliers Cäsar Ritz gestaltet werden. Die Leitung dieses im Bau stehenden Hotels forderte alle Kräfte von Cäsar Ritz und drängte ihn zum Verkauf der Betriebe, in denen er die ersten Erfolge als selbstständiger Besitzer und Hotelier genoss: Das «Hotel Minerva», das «Restaurant de la Conversation» sowie das «Hôtel de Provence».
Cäsar Ritz schuf neue Werte für Hygiene und Beleuchtung: Als erstes Hotel der Welt erhielt jedes Zimmer des «Grand Hotel» ein Bad. Zusätzlich setzte er seine Idee der indirekten Beleuchtung um. Als diese just am Eröffnungstag ausstieg, war der Hotelier mit tausend Kerzen gerüstet und gestaltete den Anlass einmal mehr zum unvergesslichen Anlass. Und wiederum sprach die Welt über Cäsar Ritz' Kreativität und Genialität: «Cäsar erobert Rom.» (Zitat: Medien, Rom).

Der reisende Hotelier und Experte
Zwischen 1890 und 1900 erreichte Cäsar Ritz als Fachmann der Hotellerie unbestreitbar die Höhe seines beruflichen Erfolges. Als erster Präsident der «Ritz Hotel Development Company» in London - ihr Ziel: der Bau von luxuriösen Hotels auf dem Kontinent und weltweit die Errichtung einer Hotelkette - entwarf Cäsar Ritz Pläne für derartige Betriebe in Kairo, Madrid und Johannisburg und verwirklichte gleichzeitig den Plan seines eigenen Hotels in Paris. Als Hotelier und Experte beaufsichtigte er zu dieser Zeit nicht weniger als acht Hotels mit 2'000 Fremdenbetten. Der erste Erfolg der neuen Gesellschaft «Ritz Hotel Development Company» war der Kauf eines Grundstückes in der Londoner City für ein zweites «Ritz» - das «Carlton».

HOTEL «RITZ» PARIS

Lange hegte Cäsar Ritz den Traum, seine Ideen und Visionen in Paris in einem eigenen Musterhotel zu verwirklichen.
In einer ehemaligen Fürstenresidenz wurde das «Hotel Ritz Paris» am Place de Vendôme - der an und für sich schon ein Kunstdenkmal war - geschaffen. 1898 wurde dieses unter feierlichen Zeremonien eröffnet. «Die Gäste kamen. Und sie kamen in Scharen.» (Zitat: Louis Mettler).
Hier wurde umgesetzt, was man «Ritz-Philosophie» nennt: Bis ins letzte Detail geplante, raffinierte Architektur, uneingeschränktes Eingehen auf jeden Wunsch des Gastes, Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen und Trends, Luxus und ideenreiche Meisterküche.
«L'Hôtel Ritz est une petite maison à laquelle je suis très fier de voir mon nom attaché.» (Zitat: Cäsar Ritz).

KRANKHEIT UND TOD

Der Star der Hotellerie, der zeitweise zehn Hotels gleichzeitig zu führen wusste, hatte den Zenit seines Schaffens erreicht. Kurz darauf begann er unter Zusammenbrüchen und Depressionen zu leiden. Die Krankheit zwang ihn, die Aufgaben seiner Ehefrau Marie-Louise Ritz zu übergeben. Diese führte als eine der ersten Hoteldirektorinnen der Welt das Hotelimperium ihres Mannes fort.
Cäsar Ritz zog sich für die kommenden 16 Jahre in die Innerschweiz zurück. Eine leichte Besserung seines Gesundheitszustandes, erlaubte ihm, noch einmal von Luzern aus zusammen mit seiner Frau ein letztes Mal in sein geliebtes Heimatdorf Niederwald zu reisen.
Cäsar Ritz hatte grosse Pläne für sein Heimatdörfchen Niederwald. Es sollte unter anderem elektrisches Licht erhalten, die Gassen und die Wege sollten sauber hergerichtet werden.
Für die jungen Lernenden wollte er eine Möglichkeit bieten, diesen eine Ausbildung zu ermöglichen, so dass sie später einmal die Welt erleben und bereisen könnten. Seine Idee sollte später durch die Ritz Nachfahren in Form der «Cäsar Ritz Stiftung Niederwald» verwirklicht werden.
Am 23. Oktober 1918, im Alter von 68 Jahren, ging der Welt durch seinen einsamen Tod ein besonderer Mensch verloren, ein «König der Hoteliers und Hotelier der Könige». Einsam deshalb, weil seine Frau Marie-Louise Ritz wegen Einreiseschwierigkeiten nicht mehr rechtzeitig bei ihrem Mann sein konnte.
Marie-Louise Ritz musste mit dem Sarg ihres Mannes nach Paris zurück reisen, nur zwei Monate nach der Beerdigung ihres Sohnes Réne Ritz. Cäsar Ritz wurde neben seinem Sohn auf dem Pariser Friedhof «Père Lachaise» bestattet. Später wurden seine sterblichen Überreste in seinen Heimatort Niederwald überführt, von wo er sich einst als aufgeweckter, neugieriger Junge in die Ferne aufmachte.

LETZTE RUHESTÄTTE

Am Samstag dem 14. Januar 1961 traf ein Extrazug aus Paris im kleinen Bergdorf Niederwald ein. In einem kleinen Sarg die verstorbene Marie-Louise Ritz, in einem grösseren die exhumierten Leichen von Cäsar Ritz und seinem Sohn René Ritz. Die beiden Särge wurden im Geburtshaus von Cäsar Ritz, am obersten Dorfrand des Dörfchens aufgebahrt. Bis am Montag hielt die Bevölkerung treue Totenwache und betete für den grossen Sohn und seine Familie. Am Montagmorgen wurden die beiden Särge auf dem Dorfplatz neben dem Ritz-Gedenkbrunnen aufgebahrt, Särge in hellem Eichenholz mit silbernen Beschlägen und Kruzifix. Am selben Tag brachte ein Extrazug die Trauergäste. An ihrer Spitze der erstgeborene Sohn des grossen Cäsar Ritz, der 70-jährige Charles Ritz, der damalige Besitzer des Hotel «Ritz» in Paris. Die gesamte Bevölkerung von Niederwald nahm Anteil an der Beisetzung «ihres» Cäsar Ritz, den die älteren Einwohner alle noch persönlich kannten. Ebenfalls die ganze Weltpresse nahm am Begräbnis in Niederwald teil. Aber auch die jüngst verstorbene Witwe des Hotelkönigs, war in Niederwald jedem Kind bekannt, war sie doch jedes Jahr während einigen Tagen ins Geburtshaus der Familie Ritz gekommen.
In der kleinen Bergkirche aus dem Jahre 1666, konnte während der Messe die Orgel nicht einmal gespielt werden - die Infrarotheizung hatte das Netz so überlastet, dass alle Sicherungen durchgebrannt waren. Nicht weniger andachtsvoll wirkte der Dorfkirchenchor, der das Orgelspiel ersetzte.
Das schlichte Grab von Cäsar Ritz kann man in Niederwald besuchen, wo er an der Seite seiner Frau Marie-Louise Ritz und seines Sohnes Réne Ritz seine letzte Ruhe fand.

ERBE

Cäsar Ritz - was zurückbleibt, lebt weiter. Es sind nicht nur Erinnerungen an ein Hotelgenie, sondern auch an dessen Visionen und Ideen welche in Gastronomie und Hotellerie bis heute Einzug halten.
Cäsar Ritz hat gewusst, in welchem Ambiente sich ein Gast geborgen fühlt. Er hat das Wesentliche in der Hotellerie erkannt: Immer entscheidet die Gastfreundschaft über das Wohlbefinden des Gastes.
Sicher wäre es in Ritz' Sinn, an dieser Stelle allen Personen, die sich mit Engagement und Kreativität tagtäglich für das Wohlergehen des Gastes einsetzen, einen Dank auszusprechen.

CÄSAR RITZ STIFTUNG NIEDERWALD

Die «Cäsar Ritz Stiftung Niederwald» wurde im Jahre 1929 von Marie-Louise Ritz, Gattin des Cäsar Ritz, im Sinne und Geiste von Cäsar Ritz gegründet. Das Stiftungskapital wurde von der Familie Ritz eingebracht. Monique Ritz, Schwiegertochter von Cäsar Ritz und letzte Vertreterin der Ritz-Dynastie, WAR Ehrenpräsidentin.
Es besteht folgender Stiftungszweck:

  • Unterstützung aller Jugendlichen von Niederwald in ihrer Ausbildung
  • Sofern Mittel vorhanden Unterstützung der Jugendlichen im Goms in einer Gastronomie-Ausbildung

Die «Cäsar Ritz Stiftung Niederwald» wird von einem Kuratorium mit drei Mitgliedern geleitet. Derzeit sind dies:

  • Beat Mutter, Präsident, Grafschaft
  • René Diezig, Mitglied, Bellwald
  • Dr. Peter Ritz, Mitglied, Kastanienbaum


Die «Cäsar Ritz Stiftung Niederwald» ist wie folgt domiziliert:
Beat Mutter
Ritzingen
CH-3989 Grafschaft
T +41 (0)27 973 22 49

E-Mail